Wein

Wein – Wein hilft, Wein schadet

 

„Wein ist unter den Getränken das nützlichste, unter den Arzneien die schmackhafteste“, schrieb der griechische Philosoph Plutarch vor rund 2.000 Jahren. Und wahrscheinlich nicht erst zu seiner Zeit setzte die Diskussion ein, ob Wein nun gesundheitsfördernd oder doch eher gesundheitsschädlich ist.

 

Um es gleich vorweg zu nehmen: Trotz zahlreicher Studien, die es zu diesem Thema gibt und jemals gegeben hat, lässt sich diese Frage so einfach nicht endgültig beantworten. Zudem gibt es da ja auch noch das „französische Paradoxon“, das in diesem Zusammenhang immer wieder zitiert wird…

 

Paradox, oder?

 

Samuel Black, ein Mediziner aus Irland, rieb sich bereits 1819 verwundert die Augen: In Frankreich, speziell im Süden und direkt an der Mittelmeerküste, trinken die Menschen relativ viel Rotwein, lieben das Olivenöl und genießen sahnige Saucen – und doch werden sie älter als der Durchschnitts-Europäer.

 

Vielleicht enthalten Rotwein und Olivenöl gar das Geheimnis eines langen Lebens? Eine Frage, die seitdem heftig diskutiert wird. Serge Renaud, Forscher im Auftrag der Universität Bordeaux, ging dieser Frage 1992 wissenschaftlich nach. Sein Fazit: Die guten Inhaltsstoffe des Rotweines, welche die Gesundheit positiv beeinflussen, überwiegen die negativen Auswirkungen des enthaltenen Alkohols. Speziell, wenn man ihn „in Maßen“ genießt.

 

Die menschliche Leber sei nun einmal in der Lage (im Grunde genommen ist das sogar genau ihre Aufgabe), eine gewisse Menge toxischer Stoffe schadlos abzubauen. Der vorübergehend auftretende Effekt der Gefäßerweiterung (mit geringerer Wahrscheinlichkeit bestimmter Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems) sei ein weiterer Vorteil.

 

Erst bei höheren Mengen könne die Leber keinen ausreichenden Schadstoff-Abbau mehr leisten. Die Gesundheit sei in Gefahr. Wie gesagt: Renauds Erkenntnisse sind bis heute umstritten. Und noch heute gibt es Jahr für Jahr neue Studien für oder gegen maßvollen Weingenuss…

 

Was ist drin im Wein?

 

Wein besteht zu 70 bis 85 Prozent aus Wasser. Weitere zehn bis 15 Prozent bestehen aus Alkohol. Der Rest wird als „Extrakt“ bezeichnet. Darunter werden alle Inhaltsstoffe im Wein zusammengefasst, die beim Erhitzen nicht verdampfen. Zu nennen sind Glycerin, Säuren, Mineralstoffe, Polyphenole, Aromastoffe und Vitamine.

 

Die gute Nachricht vorweg: Ein Glas Wein beinhaltet vier Prozent des täglichen Bedarfs an Eisen, Kalium und Magnesium. Im Rotwein stecken sogar noch mehr Mineralien als im Weißwein. Darüber hinaus sind im Wein Kalzium, Zink, Phosphor und Mangan enthalten. Außerdem wird neuerdings der Gehalt an Magnesium wieder besser bewertet. (Dadurch verleiht das lebenswichtige Mineral dem Wein eine „Anti-Stress-Komponente“. ) Besondere Beachtung verdienen die Polyphenole, speziell das Resveratrol und das „OPC“.

 

OPC (oligomere Procyanidine; in Haut und Kernen) und Resveratrol (in der Haut) machen den Wein gesund: Sie fördern die Durchblutung, beugen Kreislauferkrankungen vor, verlangsamen den Alterungsprozess der Haut, regen das Gehirn an und bekämpfen die freien Radikale im Körper. Als hochwirksam gelten Traubenkern-Präparate.

 

In der Haut der Weintrauben befinden sich reichlich Antioxidantien, welche unsere Zellen vor freien Radikalen schützen. Mit anderen Worten: Sie helfen dabei einer Erkrankung mit Krebs vorzubeugen. Diese Antioxidantien gelangen über Kelterung und Gärung ebenfalls in den Wein.

Was bringen die Polyphenole?

 

Nach neueren Forschungen hat der hohe Polyphenolgehalt bei Rotwein einen positiven Effekt auf das Herz- und Kreislaufsystem. Besonders wirksam: das Procynidin. Das sich in den Weintrauben befindende Resveratrol soll Autoimmunkrankheiten, Herzkrankheiten, Arteriosklerose, die Alzheimer-Krankheit und auch Arthritis positiv beeinflussen. Wer mehr über die „oligomere Proanthocyanidine“ wissen möchte, sollte den Artikel „OPC“ nachlesen.

 

Wie viel Wein am Tag ist erlaubt?

 

Völlig risikoarmen Konsum von Wein gibt es nicht. Rund 200 Krankheiten sind bekannt, die von Alkoholkonsum ausgelöst oder verstärkt werden. Gesunde Menschen können das Nerven- und Zellgift aber innerhalb gewisser Grenzen verarbeiten. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schreibt: „Es gibt keinen risikofreien Alkoholkonsum, lediglich verhältnismäßig risikoarme Trinkmengen: für Männer pro Tag dreimal bis zu 1/8 Liter Wein, für Frauen zweimal 1/8 Liter Wein.“ Laut der amerikanischen Ernährungsberaterin Karen Ansel sind es genau fünf Unzen, umgerechnet etwa 148 Milliliter Wein. Das entspricht etwa einem normalgroßen Weinglas.

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt gegenwärtig täglich 20 Gramm Reinalkohol bei Frauen und 30 Gramm bei Männern als Obergrenzen für (vermutlich) nicht schädigenden Alkoholkonsum vor. Das entspricht bei Frauen etwa 0,2 Liter Wein; bei Männern ist die anderthalbfache Menge zugrunde zu legen. Das US-amerikanische National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA) setzt die unschädliche Tagesmenge an Alkohol wesentlich niedriger an: zwölf Gramm bei Frauen sowie Menschen über 65 Jahren, etwa 24 Gramm bei Männern.

 

Und im „Hamburger Abendblatt“ las man: „Für einen portugiesischen Mann beginnt das gesundheitliche Risiko erst bei 40 Gramm Alkohol pro Tag, während der deutsche Mann bereits nach 20 Gramm täglichen Konsums das Glas absetzen sollte. In Frankreich dürfen sich Frauen und Männer gleichermaßen unbesorgt täglich 30 Gramm Alkohol genehmigen, in den USA liegen die zugestandenen Mengen für Männer bei 28, bei Frauen nur 14 Gramm pro Tag.“

 

Wie viel Wein ist zu empfehlen?

 

Die Antwort ist – überraschenderweise – einfach: Wer Wein als edles Lebensmittel genießen will, soll dies als echter Genießer hin und wieder in dem Bewusstsein, etwas Edles im Glas zu haben, tun. Wem es auf die Inhaltsstoffe, zum Beispiel das „OPC“ ankommt, der sollte sich nach reinen Einnahmeformen umsehen. Dies ist deutlich effektiver.

 

Wem es auf die „Frustbewältigung“ ankommt, der sollte auf Wein und anderen Alkohol verzichten. Dieser löst nämlich keine Probleme, sondern schafft höchstens welche. Dann lieber ein wenig Sport machen, sich den Frust von der Seele laufen, radeln, schwimmen, Gewichte stemmen…

 

Übrigens: Wer mindestens zweimal die Woche Sport macht, darf eher mal ein Glas Wein trinken, da dann der Körper besser mit dem Alkohol umgehen kann, wie neuste Studien vorgeben …