Vitamin K2

Die Brüder „K“

 

Hier tut erst einmal Aufklärung gut: „MK-7“, „Vitamin K“, einige sprechen sogar vom „Vergessenen Vitamin“, – das alles sind Begriffe, die im Umlauf sind. Wichtig zu wissen ist aber, dass das Vitamin K in zwei Formen vorliegen kann: Wir kennen das Vitamin K1 und das Vitamin K2. Beide „Brüder“ haben im menschlichen Körper ganz unterschiedliche Funktionen. Und nur eines der beiden Vitamine kann man im Rahmen einer gesunden und ausgewogenen Ernährung dem Körper auch zuführen.

 

Immerhin ist das K1 in den Pflanzen für die dort ablaufende Photosynthese unerlässlich. Dabei hat sich im Laufe der Jahre die Wertigkeit der beiden Spielarten des Vitamin K in den Augen der Wissenschaft und der Medizin durchaus vorschoben. Doch der Reihe nach…

 

Was ist Vitamin K1 genau?

 

Das „K“ steht übrigens für „Koagulation“. Das ist der Fachausdruck für die Blutgerinnung. Und das „Vitamin K1“ ist in der Tat notwendig, um die Blutgerinnung in Gang zu setzen. Einige der Gerinnungsfaktoren im menschlichen Körper (die mit den Kennzeichnungen II, VII, IX und X) werden durch das „K1“ erst in den wirksamen Zustand versetzt. Dagegen werden die gerinnungshemmenden Proteine C und S sozusagen „ausgeschaltet“. In der Medizin benutzt man deshalb das Vitamin K1, um zum Beispiel einer Überdosierung mit gerinnungshemmenden Stoffen der Cumarin-Gruppe entgegenzusteuern.

 

In den grünen Teilen der Pflanzen findet sich zumeist viel K1, das auch „Phyllochinon“ genannt wird. Grünkohl (817 Mikrogramm in 100 Gramm), Schnittlauch (380 Mikrogramm in 100 Gramm), Spinat (305 Mikrogramm in 100 Gramm), Blattsalate, Brokkoli, Petersilie und so weiter bieten dem Körper so viel K1 an, dass er sich reichlich eindecken kann. Wichtig für den Umgang mit dem Gemüse: Das Vitamin K1 ist relativ hitzebeständig und auch gegenüber Sauerstoff stabil. Mit anderen Worten: Wenn man zum Beispiel den Grünkohl (eine echte K1-Bombe!) gart – und nicht gerade „tot“ kocht – bleibt das K1 weitgehend erhalten.

 

Die Aufnahme erfolgt im Darm; es wird dann in das Gewebe geleitet, wo es gebraucht wird. Überwiegend wird es vorratsmäßig in der Leber eingelagert. Hier kann es bis zu zwei Wochen bereitgehalten werden, für den Fall der Fälle, dass irgendwo eine Blutung gestoppt werden muss.

 

Was ist Vitamin K2 genau?

 

Der Kalzium-Transporteur. Das Vitamin K2 hat dagegen eine ganz andere Aufgabe: Es sorgt im Körper für einen ausreichenden Kalzium-Transport. Zu Erinnerung: Kalzium brauchen wir für feste Knochen. Kalzium verhindert Ablagerungen in den Adern (Arteriosklerose). Allerdings ist „K2“ seltener in unseren Nahrungsmitteln zu finden. Es wird von bestimmten Mikroorganismen gebildet. Rohes Sauerkraut, Eier (hier am ehesten das Gelbe), Butter, Käse und auch Leber können dem Körper „K2“ anbieten.

 

Die Aufnahme erfolgt im Darm, der bei dem geringen Angebot aber absolut topfit sein muss, um das Vitamin auch wirklich herausfiltern zu können. Das „K2“ wird ebenfalls ans Blut weitergegeben, wo es sich eben positiv auf den Kalzium-Transport auswirkt. Und weil der Körper es selten über die Nahrung angeboten bekommt, kann er es auch länger als Vorrat sichern.

 

Wie wirkt K2 auf unsere Knochen?

 

Kalzium – ein zweischneidiges Schwert (1)
72.000 Menschen wurden 1999 in einer Studie beobachtet. Am Ende stand fest: Das Vitamin K1 senkt das Osteoporose-Risiko deutlich. Bei Frauen zum Beispiel sinkt das Risiko demnach um 30 Prozent. Und in Tierversuchen wurde deutlich, dass das Vitamin K2 auch den Knochenabbau senkt. Im Jahre 2005 thematisierte eine weitere Studie diese Frage. Sie zeigte, dass ein Mangel an K2 zu einer geringeren Knochendichte und damit zu mehr Knochenbrüchen führt.

 

Vitamin K2 regelt – wie oben bereits gesagt – die Verteilung des Kalziums an Knochen und Zähne. Darüber hinaus aktiviert es ein Protein (Osteocalcin), das für den Einbau des Kalziums in die Knochen verantwortlich ist. Schließlich fördert es die Bildung von Knochen aufbauenden „Osteoblasten“ und senkt die Bildung von Knochen abbauenden „Osteoklasten“. Kurz gesagt: Vitamin K2 sorgt für (bis in die Mikrostruktur hinein) stabile Knochen. Und es verhindert zugleich auch alle Angriffe auf den Knochen.

 

Der Mensch braucht also ausreichend Kalzium, damit er „kraftvoll zubeißen“ und damit er „stabil durchs Leben gehen“ kann. K2 sorgt dafür, dass dieses Kalzium überall dort hinkommt, wo es auch gebraucht wird.So weit, so gut. Wenn da nicht eine Gefahr wäre, die durch ein Überangebot an Kalzium entstehen könnte…

Wie hilft K2 den Blutbahnen?

 

Kalzium – ein zweischneidiges Schwert (2)
Wenn der menschliche Körper das in Blutbahnen zirkulierende Kalzium (zum Beispiel aufgrund eines Mangels an K2) und eine niederländische Studie geht davon aus, dass die meisten Menschen an einem Mangel an K2 leiden!) nicht in die Knochen oder Zähne einlagern kann, wenn also ein Überschuss entsteht, dann wird es in die Wände der Adern eingelagert. Die Arterien verkalken, wie es im Volksmund heißt.

 

Wissenschaftlicher ist das der Ausdruck „Plaque“: In unseren Adern entstehen im Laufe des Alterungsprozesses winzig kleine Risse. Vitamin C und Vitamin E können helfen, diese Risse wieder zu heilen. Stehen die nicht ausreichend zur Verfügung, versucht sich der Körper mit LDL-Cholesterin zu helfen. Das stopft die Risse mit Kalzium. Die Adern verkalken. Herzinfarkt oder Schlaganfall drohen.

 

Eine Studie hat erwiesen, dass K2 das Risiko einer Arterienverkalkung oder das an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, halbieren kann! Und man geht sogar noch einen Schritt weiter: Mediziner und Wissenschaftler gehen nämlich davon aus, dass das „Vitamin K2“ eine Verkalkung der Blutbahnen auch wieder abbauen, dass es die Plaque-Einlagerungen reduzieren kann. Es macht die Adern also wieder geschmeidiger, leistungsfähiger, quasi „jünger“. Dass das auch wiederum das Herzinfarkt-Risiko senkt, ist selbstredend.

 

Schützt K2 vor Krebs?

 

Krebs- und andere Studien. Hier ist die Forschung noch im vollen Gange. Man geht davon aus, dass sich Vitamin K auf das Zellwachstum und auf die Entstehung von Tumorzellen auswirkt. Man spricht von einer „antikarzinogenen“ Wirkung, die übrigens durch das Zusammenspiel mit Vitamin C noch verstärkt werden soll. EPIC-Heidelberg (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition–Heidelberg) hat hier zu knapp 25.000 Menschen im Alter zwischen 35 und 64 Jahren über mehr als zehn Jahre beobachtet.

 

Das Fazit: Eine K2-Einnahme senkt das Krebsrisiko deutlich. Die Wirkung auf Prostata-, Lungen-, Leberkrebs und Leukämie werden als besonders deutlich angegeben. Doch damit nicht genug: Einige Untersuchungen gehen davon aus, dass das Vitamin K2 der Diabetes Typ 2 vorbeugt. Und dass es das „Protein S“ aktiviert, das wiederum (über die so genannte „Blut-Hirn-Schranke“) unser Gehirn schützt. Schließlich wird auch vermutet, dass ein K2-Mangel den Prozess der Alzheimer-Erkrankung beschleunigen könnte.

 

Wie viel K2 braucht der Mensch?

 

Grüne Gemüse-Smoothies. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat auch hier genau Tabellen über den täglichen Bedarf zusammengetragen (https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-k/). Eine neuere Studie der Maastrichter Universität nennt 90 Mikrogramm pro Tag als Voraussetzung für deutliche Verbesserungen. Geringe Dosierungen (unter 45 Mikrogramm pro Tag) schlugen demnach nicht an.

 

Wichtig: Natürliches Vitamin K ist nicht giftig!

 

Während aber das „K1“ wie oben beschriebenen über die Nahrung aufgenommen werden kann (leckere Gemüse-Smoothies!), empfiehlt sich bei „K2“ ein Nahrungsergänzungsmittel. Das Vitamin K2 liegt allerdings in unterschiedlichen Formen vor. Als die wirksamste gilt das „MK-7“. Und für genau diese Variante werden die positiven Wirkungen in den Studien auch beschrieben.
MK-7 ist wissenschaftlich nachgewiesen das wirksamste Vitamin K2.

 

Noch ein Hinweis: In Japan werden bei der Osteoporose Tagesdosen verabreicht, die um ein Vielfaches höher liegen als die oben genannten 90 Mikrogramm (oder die an anderen Stellen genannten 200 Mikrogramm).

Studien zu Vitamin K2

1. Geleijnse u. a.: Dietary intake of menaquinone is associated with a reduced risk of coronary heart disease: the Rotterdam StudyIn: J Nutr. (2004) Nov;134(11)

Zur Studie

3. Feskanich, P. Weber, W. C. Willett, H. Rockett, S. L. Booth, G. A. Colditz: Vitamin K intake and hip fractures in women: a prospective study.In: The American journal of clinical nutrition. Band 69, Nummer 1, Januar 1999,

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