Radicchio

Radicchio – Bitter ist gesund

 

Wie sagte meine Großmutter immer: „Was bitter dem Mund, dem Herzen gesund.“ Das galt vor allem, wenn es darum ging, „bittere Medizin“ zu schlucken, die sie zumeist nach alten Hausrezepten zusammengebraut hatte. (Und die oftmals auch ihre Wirkung tat.) Die Großmutter dachte bei ihrem Ausspruch dagegen sicherlich weniger an das Gemüse, welches hier Thema sein soll.

 

Und dass es ein echter Gesundbrunnen sein kann, obwohl, oder gerade weil es leicht bitter schmeckt. Die Rede ist vom Radicchio, der zu einer gesunden Ernährung einfach dazu gehört. Leckere Rezept-Variationen gibt es auch!

 

Ein wenig Botanik

 

Radicchio gehört in die Familie der Zichorien, auch „Gemeine Wegwarte“ genannt. Enge Verwandte sind die Endivien und der Chicorée. Als Salat kam er erst gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts bei uns in Mode. Die „Gemeine Wegwarte“ wurde schon im Altertum als Heilkraut genutzt. Der Saft des Korbblütlers wurde gegen Augenleiden und Vergiftungen eingesetzt, die löwenzahnartigen Blätter als magenstärkender Salat zubereitet. Die Pfahlwurzeln wurden wegen ihres an Karamell erinnernden Geschmacks seit dem 17. Jahrhundert auch zum „Blümchen-Kaffee“ verarbeitet.

 

Unter dem Namen „Chicory“ findet man sie auch bei den Bachblüten. Und in der Tat haben sich in dunkler Vergangenheit Bergarbeiter die entgiftende Wirkung der Wegwarte zu Nutze gemacht, um die Schwermetalle aus dem Körper auszuleiten. Sie kochten sich einen Tee aus den Pflanzen. Heutzutage soll es so möglich sein, Pestizide im Körper zu binden. Seine Farbe verdankt der Radicchio den enthaltenen Anthocyanen, seine Bitterkeit dem Lactucopikrin. Ihm werden schmerzstillende Eigenschaften nachgesagt. Außerdem soll es gegen Malaria (!) schützen.

 

Spannender aber sind die Anthocyanen. Sie gehören zur Gruppe der Flavonoiden, und werden zu den sekundären Pflanzenstoffen gezählt. Sie sind in der Pflanze für die Farbe der Blätter und Blüten zuständig und haben eine antioxidative Wirkung, welche die von Vitamin C und Vitamin E um ein Vielfaches übersteigen kann. Im menschlichen Körper binden sie freie Radikale. Diese „Angreifer“ sind immer auf der Jagd nach einem zusätzlichen Elektron.

 

Damit leiten sie den Oxidationsprozess ein, den man gerne auch als das „Rosten des Körpers“ bezeichnet. Dieser Alterungsprozess betrifft die Haut (welche erschlafft), die Adern (die weniger geschmeidig werden) und vieles mehr. Wichtig: Die freien Radikale gelten auch als eine der Ursachen für das Entstehen von Krebszellen. Je nach Lebensstil nimmt die Zahl der freien Radikale zu. Ernährung, Rauchen, Alkohol, Chemikalien, Elektrosmog und auch Stress können hier die Ursache sein. Deshalb setzt die Medizin auf Antioxidantien, eben Stoffe, die diese freien Radikale „einfangen“ also unschädlich machen.

Ein „Radikale-Killer“

 

Ein „Radikale-Killer“ ist das Anthocyan aus der Radicchio. Es schützt somit die DNA, die Lipide und die Kohlenhydrate vor Schädigung. Ein weiterer „Radikale-Killer“ ist übrigens das „OPC“. Aber auch mit den enthaltenen Mineralstoffen kann der Radicchio punkten: 240 Milligramm Kalium sind in 100 Gramm enthalten. Beim Kalzium sind es 40 Gramm. Aber auch Eisen und Phosphat treten in nennenswerten Mengen auf.

 

Die Anthocyanen sollen die Sehvorgänge verbessern, entzündungshemmend und gefäßschützend wirken. Diesen Zusammenhang „bitter – gefäßschützend“ kannte übrigens schon die Großmutter, auch wenn sie dies auf die Bitterkeit des Endivien-Salats bezog.

 

Radicchio in der Küche

 

Will man das Anthocyan für die eigene Gesundheit nutzen, sollte man Radicchio roh essen. Man kann ihn im Prinzip den meisten Salaten als spannende Bitter-Nuance beimischen. Kombiniert mit der Süße von Orangen (oder auch Orangesaft) oder Birnen wird der sehr bittere Geschmack etwas milder und zugleich fruchtiger.

 

Auch lecker: Gebratener Radicchio. Ein wenig Speck, ein wenig Zwiebel und Knoblauch in Olivenöl anschwitzen. Geviertelte Radicchio-Köpfe fünf Minuten sanft mitbraten, so dass sie ganz leicht Farbe annehmen. Salzen, pfeffern, noch etwas kaltes Olivenöl darüber träufeln. Dazu passt Weißbrot und gegrillter Fisch oder gegrilltes Fleisch.

 

Italiener lieben Radicchio auch mit Schinken zur Pasta. Auch hier wird der Radicchio wie oben behandelt. Allerdings wird er dabei in Streifen geschnitten (diese lassen sich später besser unter die Nudeln mischen). Gewürzt wird er hier zusätzlich mit etwas Thymian und etwas Balsamico-Essig.