Ingwer

Ingwer – Eine tolle Knolle

 

In Sportlerkreisen ist es schon lange kein Geheimtipp mehr: „Ingwer-Tee“ macht vor dem Wettkampf fit. Bananenbrot bringt die notwendige Energie punktgenau. Doch was hat diese „tolle Knolle“ sonst noch drauf? In der traditionellen Medizin ist sie jedenfalls schon seit Ewigkeiten bekannt. Die Chinesische Medizin unterscheidet seit Erkenntnissen des Arztes Tao Hongjing (452 bis 536) zwischen rohem und getrocknetem Ingwer.

 

In Europa war es der römische Jurist Plinius der Jüngere (61 bis 113), der sich als Erster schriftlich über dieses Heilmittel ausließ (Förderung der Verdauung). Und auch die Meister der arabischen Medizin schworen auf den Ingwer, den sie in einer Tinktur mit Kardomon, Nelken und Galgantwurzeln vergoren verabreichten. Heutzutage bevorzugt man „klare“ Darreichungsformen…

 

Ein natürliches „Aspirin“ – Was wirkt im Ingwer?

 

Wesentlicher Bestandteil im Ingwer ist das Gingerol, das der Knolle auch ihre Schärfe verpasst. Es ist in den drei Varianten (6)-, (8)- und (10)-Gingerol vertreten. Gerade die Sechser-Variante soll vor Krebs schützen, gegen Entzündungen wirken und unerwünschte Reaktionen des Immunsystems unterdrücken. Dabei hemmt das Gingerol im menschlichen Körper das gleiche Enzym, das auch im „Aspirin“ wirkt (Acetylsalicylsäure). Damit kann Ingwer zum Beispiel bei Kopfschmerzen, bei Erkältungen, bei Husten und Bronchitis, bei Muskelkater und Gelenkschmerzen, aber auch bei Menstruationsbeschwerden zum Einsatz gebracht werden.

 

Am besten ist die Wirkung von Gingerol bei Übelkeit und Erbrechen bewiesen. Hier konnten Wissenschaftler der Heidelberger Universität nachweisen, dass die Inhaltsstoffe des Ingwers mit den Nervenzellen dort in Kontakt treten, wo normalerweise das Serotonin die besagte Übelkeit hervorruft. Die Medizin spricht vom „Antagonismus der Serotonin-Typ-3-Rezeptoren“. Ob Ingwer somit auch gegen Reisekrankheit schützt, wird in der Wissenschaft noch kontrovers diskutiert.

 

Zurück zu den Chinesen: Diese erkannten schon früh die anregende Wirkung des Ingwers auf die Bildung des Magensaftes, des Speichels und des Gallensaftes. Damit regt es die Verarbeitung, die Auswertung und die „Abfuhr“ der Nahrung deutlich an. Für alle die, die selbst gerne kochen: Ein Stückchen Ingwer in der Bratensoße oder im Ragout macht das Leben eben einfach einfacher.

 

Moderne Mediziner erforschen übrigens weitere Wirkmechanismen: Ingwer soll bei Arthritis Linderung verschaffen. Zudem soll er die Nebenwirkungen einer Chemotherapie verringern (bis zu 40 Prozent!). Er senkt den Zuckerspiegel der Diabetiker (Typ II; bis zu zehn Prozent) und als Öl aufgetragen soll er bei Rückenschmerzen Linderung verschaffen. Wird Ingwer getrocknet, wird aus dem Gingerol das „Shoagol“, dessen Anti-Krebs-Wirkung (Darm- und Hautkrebs) noch höher liegen soll.

 

Des Weiteren besitzt Ingwer über 160 Inhaltsstoffe in seiner Knolle. Vitamin C und Vitamin B 6, Kalzium und Kalium, Natrium und Phosphor gehören ebenso dazu wie Eisen.

Ein Wirbelwind für den Magen

 

Gibt es Nebenwirkungen beim Ingwer? 50 Gramm Ingwer (oder fünf Gramm Ingwerpulver) gelten pro Tag als unbedenklich. Wer mehr Ingwer isst, riskiert Blähungen, Durchfall oder Sodbrennen. Allerdings wirkt Ingwer (ähnlich dem „Aspirin“) auch blutverdünnend und gerinnungshemmend.

 

So kann es bei Frauen zu einer verstärkten Menstruation kommen; bei Schwangeren kann zu viel Ingwer die Wehen auslösen. Auch stillende Frauen sollten keinen Ingwer zu sich nehmen. Zudem wird Menschen mit sensiblen Mägen sowie Patienten mit Gallensteinen von „Ingwer-Kuren“ abgeraten.

 

Ingwer in der Küche

 

Ingwer gibt es in vielen Darreichungsformen – vom „Ginger Ale“ über „Ingwer-Pflaumen“ bis hin zum kandierten Ingwer. Wirkungsvoller aber ist es in der Küche. Dort gehört er für viele Köche genauso dazu wie Knoblauch und Zwiebeln.

 

In Suppen, Soßen, Ragouts und so weiter sollte man den Ingwer kurz vor dem Servieren darüber reiben, damit seine segensreichen Wirkstoffe möglichst umfänglich erhalten bleiben. Fisch, Lamm, Geflügel – Ingwer freundet sich mit allen an. Auch in Currys und Chutneys hat er seinen festen Platz. Und selbst in Lebkuchen und Printen liebt man seine leichte Schärfe.

 

Für den Ingwer-Tee werden ein paar klein geschnittene Scheiben Ingwer mit heißem Wasser übergossen. Man lässt das Ganze rund 20 Minuten ziehen. Den fertigen Tee kann man mit Honig oder Zitrone verfeinern. Wenn man den Aufguss pur abkühlen lässt (später vielleicht sogar Eiswürfel hinzugibt), erhält man erfrischendes „Ingwer-Wasser“.

 

Beliebt sind auch Möhren- oder Kürbissuppen mit Ingwer. Eine andere Möglichkeit: Hähnchenbrust in Stücke schneiden, mit Olivenöl, Thymianblättchen, gehacktem Knoblauch und gehacktem Ingwer marinieren. Das Ganze ein bis zwei Stunden ziehen lassen und es dann in der Pfanne kurz anbraten. Mit etwas Nudelwasser ablöschen. Die parallel gekochten Nudeln in die Pfanne geben. Durchmengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig zum Servieren!