Grüner Tee

Grüner Tee

 

Grüner Tee wirkt lebensverlängernd: Die Sterberate sinkt bei Männern, die mindestens fünf Tassen täglich trinken, um zwölf Prozent, bei Frauen um 23 Prozent. Besonders Todesfälle wegen Herz-Kreislauferkrankungen waren seltener (Frauen: 31 Prozent; Männer 22 Prozent). Das ist das Ergebnis der in Japan durchgeführten so genannten „Ohsaki-Studie“: Elf Jahre wurden über 40.000 Erwachsene im Alter zwischen 40 und 80 Jahren wissenschaftlich begleitet. China ist allerdings das Ursprungsland. Schon der mythische Ur-Kaiser Shennong soll dort die Teepflanze wegen ihrer heilenden Wirkung vor 5.000 Jahren kultiviert haben.

 

Den buddhistischen Mönchen half Tee, um länger konzentriert meditieren zu können. Sie brachten den Tee übrigens nach Japan. Im 16. Jahrhundert kam er dann auch nach Europa. Grüner Tee gehört zu den ältesten Heil- und Gesunderhaltungsmitteln der Menschheit. Dabei spielt gerade auch im Fernen Osten die damit verbundene „Zeremonie“ eine große Rolle.

 

Was „grün“ so anders macht…

 

Der Name ist hier Methode und Erklärung zugleich: Beim grünen Tee werden die geernteten Teeblätter nicht fermentiert. Das ist eine Art Oxidation, bei der zelleigene Enzyme und andere Inhaltsstoffe des Teeblattes aktiviert werden. Schwarzer Tee zum Beispiel verläuft diese Oxidation, beim grünen wird sie durch kurzes Erhitzen der Blätter (Rösten oder Dämpfen) verhindert. Folge ist, dass vielmehr Blatt-Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Und damit auch wirksam bleiben. So enthält er mehr Tannine (Gerbstoffe) als der „schwarze Bruder“. Er schmeckt herber. Wenn wir uns den weiteren Inhalts- und Wirkstoffen zuwenden wollen, kommen jede Menge Abkürzungen ins Spiel.

 

Denn neben dem Koffein – man sprach früher übrigens von Teein; es handelt sich aber chemisch gesehen um eine identische Verbindung – geht es da vor allem um die Catechine, denen die Wirkkraft des Tee zugeschrieben werden:

 

  • Epicatechin (EC)
  • Epicatechingallat (ECG)
  • Epigallocatechin (EGC) und
  • Epigallocatechingallat (EGCG)

 

sind da zu benennen.

 

Während die Catechine für die Wirksamkeit und auch für den bitteren Geschmack des grünen Tees sorgendie Aminosäuren des Teeblattes (bis sechs Prozent der Trockenmasse) für die feinen Geschmacksnuancen. Vitamin A, B und B2 sowie Kalium, Phosphorsäure, Magnesium, Zink, Nickel und so weiter sind weitere Inhaltsstoffe.

 

Grüner Tee hilft gegen zahlreiche Krankheiten

 

Es gibt zahllose Studien (über 100) über die Wirksamkeit des grünen Tees: Positive Effekte bei Adipositas, Diabetes, Entzündungen, Parkinson, Alzheimer sowie Herzerkrankungen werden dort beschrieben. Im Mittelpunkt dabei: eines der obigen Abkürzungsmonster.

 

Heilwirkung gegen Krebs

 

Der regelmäßige Konsum von grünem Tee senkt das Risiko, an Krebs zu erkranken. Dass in den Teilen der Welt, in denen viel Tee getrunken wird, bestimmte Krebsarten seltener auftreten als im Rest der Welt, stützt diese These. Für eine präventive Wirkung wird das Epigallocatechingallat (EGCG) verantwortlich gemacht. Es zählt zu den Flavonoiden, zu den so genannten „Radikal-Fängern“, die für die Bildung von Krebszellen verantwortlich gemacht werden.

 

Die freien Radikale sind immer auf der Jagd nach einem zusätzlichen Elektron. Damit leiten sie den Oxidationsprozess ein, den man gerne auch als das Rosten des Körpers bezeichnet. Dieser Alterungsprozess betrifft die Haut (die erschlafft), die Adern (die weniger geschmeidig werden) und vieles mehr. Wichtig: die freien Radikale gelten auch als eine der Ursachen für das Entstehen von Krebszellen.

 

Ein wahrer Radikale-Killer dank Antioxidantien

 

Je nach Lebensstil nimmt die Zahl der freien Radikale zu. Ernährung, Rauchen, Alkohol, Chemikalien, Elektrosmog und auch Stress können hier die Ursache sein. Deshalb setzt die Medizin auf Antioxidantien, eben Stoffe, die diese freien Radikale einfangen. Unschädlich machen. Ein Radikale-Killer ist das EGCG. Die Deutsche Krebshilfe fördert so nicht ohne Grund seit 2011 eine Langzeitstudie der Universitäten Halle (Saale) und Ulm zur Wirkung gegen Darmkrebs mit insgesamt 2,1 Millionen Euro.

 

Eine Studie an Patienten mit Prostatakarzinom, die am Center for Human Nutrition an der David Geffen School of Medicine der UCLA durchgeführt wurde, konnte übrigens zeigen, dass das aus dem grünen Tee stammende EGCG in den Tumoren nachweisbar war. Und dass es das Zellwachstum deutlich hemmte. Doch damit nicht genug: EGCG soll im Körper jene Polypeptidketten abfangen, die für die Erkrankung an Alzheimer oder Parkinson verantwortlich gemacht werden. Der Wirkstoff aus dem grünen Teeblatt sorgt dafür, dass aus diesen toxischen Ketten ungefährliche Oligomere gebildet werden.

 

Gleiches gilt für Multiple-Sklerose. EGCG schützt nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen die Nervenzellen im zentralen Nervensystem vor Beschädigungen. Gleichzeitig werden Amok laufende T-Lymphozyten, die für die Entstehung der Krankheit verantwortlich gemacht werden, wieder auf Spur gebracht.

Gut für die Zähne

 

Die im grünen Tee enthaltenen Polyphenole und Fluoride helfen im Übrigen auch den Zähnen. Sie schützen die Beißer vor Karies, indem bestimmte Enzyme der Bakterien, die zur Zahnfäule führen, gehemmt werden.

 

Vorbeugende Eigenschaften für gesunde Zähne

 

Der Fluoridgehalt liegt übrigens im Mittel bei 120 Milligramm (auf ein Kilogramm Teeblätter). Somit kann grüner Tee als natürliche Fluoridquelle betrachtet werden. In diesem Zusammenhang sollte man übrigens darauf achten, guten grünen Tee, der aus den jungen Blättern der Teepflanze gewonnen wird, zu benutzen. In älteren Blättern können sich im Laufe des Wachstums diese Fluoride ablagern, so dass der Aufguss dann „überfluoridiert“ sein könnte. Der Grenzwert wird übrigens nach Körpergewicht berechnet (0,05 Milligramm je Kilogramm).

 

Verträglicher als Kaffee und gegen hohen Blutdruck

 

Dass grüner Tee auch ein guter Blutdrucksenker ist, belegte eine Studie der Universität Posen in Polen aus dem Jahr 2012, auf die „FID“, der Fachverlag für das Gesundheitswesen, aufmerksam macht. Die Forscher verabreichten demnach 56 Patienten mit Bluthochdruck und Übergewicht drei Monate lang täglich eine Kapsel mit 390 Milligramm Grüntee-Extrakt. Diese Dosierung entspricht etwa drei Tassen des Tees. Eine gleich große Kontrollgruppe erhielt ein Placebo.

 

Zum Ende der Studie war in der Gruppe der Grüntee-Trinker sowohl der obere (systolische) als auch der untere (diastolische) Blutdruckwert um immerhin fünf mmHg gesunken. In der Placebo-Gruppe gab es dagegen keine Veränderung der Werte.

 

Diese Studie zeigt also: Grüner Tee ist verträglicher als Kaffee. Und das, obwohl Tee mehr Koffein enthält als Kaffee. Ungeröstete Kaffeebohnen enthalten 0,9 bis 2,6 Prozent Koffein. Nach der Röstung liegt der Wert bei 1,3 bis zwei Prozent. Beim grünen Tee aber werden um die drei Prozent gemessen.

 

Keine Sorge: In der Tasse ändert sich Relation. Da bringt der Kaffee vier- bis achtmal so viel Koffein an den Gaumen wie der grüne Tee. Das liegt zu einem an der eingesetzten Rohstoffmenge, zum anderen an der Zubereitung. Und genau hier kann der Tee-Liebhaber auch darauf Einfluss nehmen, wie koffeinhaltig sein Tee werden soll.

 

Die optimale Ziehtemperatur

 

Eine Studie aus dem Jahre 2007 hat ergeben, dass der Koffeingehalt im Teewasser durch moderate Ziehzeiten und Ziehtemperaturen deutlich begrenzt werden kann. Grüner Tee sollte daher nicht länger als zwei Minuten bei 50° bis 60° Grad Celsius ziehen. Unter 70° Celsius wird nur ein Drittel des Koffeins ausgewaschen, das – bei gleicher Zeit – bei 100° Celsius extrahiert wird. Wasserkocher mit elektronischer Temperaturwahl oder elektronische Thermometer sind ideal. Man kann grünen Tee mehrfach aufgießen. Allerdings gilt zu beachten, dass bei weiteren Aufgüssen heißeres Wasser benutzt und die Ziehzeit verkürzt werden sollte.

 

Nicht nur eine Frage des Geschmacks

 

Wie trinken Sie Ihren Tee? Mit Milch? Mit Zitrone? Die Antwort darauf ist nicht nur eine Frage des Geschmacks. Da geht es vielmehr auch um die Wirksamkeit des grünen Tees. Milch ist dabei ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sorgt es dafür, dass Calciumoxalat zu einem schwerlöslichen Salz wird und dann via Darmtrakt bequem ausgeschieden werden kann. Die Gefahr der Nierensteinbildung sinkt also. Auf der anderen Seite gibt es auch Forschungen, die deutlich machen, dass das Kasein der Milch die Wirksamkeit der Wunderwaffe EGCG einschränkt.

 

Zitronensaft ist empfehlenswerter als Milch

 

Da ist der Spritzer Zitronensaft von ganz anderer Qualität: Die Catechine (also auch das EGCG) werden stabilisiert, zerfallen im Verdauungsprozess deutlich später. Das heißt auch, dass sie besser aufgenommen werden können.
Und das freut natürlich, wenn man auf ihre zahlreichen guten Auswirkungen hofft. Dazu zählt im Übrigen auch die Erkenntnis, dass Antibiotika besser wirken, wenn man sie quasi mit grünen Tee einnimmt.

 

Hilft grüner Tee beim Abnehmen?

 

Ein wahrer Stoffwechsel-Turbo! Grüner Tee gilt im Allgemeinen als Schlankmacher. Mehr als 40 Studien wurden allein in diesem Jahrhundert dazu durchgeführt. In den meisten konnte ein positiver Einfluss der Grüntee-Wirkstoffe auf das Körpergewicht festgestellt werden. Koffein und Catechine sorgen demnach dafür, dass in Magen und Darm weniger Fett verdaut und dann auch aufgenommen wird. Außerdem regt der grüne Tee den Stoffwechsel und erhöht den Energieumsatz.

Studien zu Grünem Tee

1. Yang, Deng-Jye, Hwang, Lucy Sun, Lin, Jau-Tien, “Effects of different steeping methods and storage on caffeine, catechins and gallic acid in bag tea infusions“, Journal of Chromatography A, 1156 (2007), S. 312–320, (Die Effekte unterschiedlicher Zieh-Methoden und die Speicherung von Koffein, Catechinen und Gallussäure in Teebeutel-Aufgüssen)

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2. J. Green, A. S. Murphy, B. Schulz, B. A. Watkins, M. G. Ferruzzi: Common tea formulations modulate in vitro digestive recovery of green tea catechins.In: Molecular nutrition & food research. Band 51, Nummer 9, September 2007, S. 1152–1162

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3. Ulrich H. Engelhardt, “Kariespräventive Wirkung von Tee durch Fluorid und Polyphenole“, Institut für Lebensmittelchemie der Technischen Universität Braunschweig, Frühjahr 2000

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4. “Green tea helps beat superbugs”

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